Die Phasen des Schreibenlernens gemäß der Silbenmethode
Noch ein Wort zum Verhältnis zwischen Schrift und Sprechen. Wir haben uns zu folgender Didaktischen Reduktion des komplexen Sachverhaltes entschlossen:
- Deutsche Wörter sind zweisilbig trochäisch.
- Die betonte erste Silbe ist entweder offen (le-sen) oder geschlossen (Sil-be). Die Buchstaben nennen wir Starter – Klinger und Starter – Klinger – Stopper. Die offene Silbe wird mit langem Klinger, die geschlossene mit kurzem Klinger gesprochen.
- Die unbetonte zweite Silbe hat immer den Klinger e.
- Wird ein einsilbiges Wort nach dem Muster Starter – Klinger – Stopper (Sohn) lang gesprochen, muss die Abweichung von der generellen Regel dem Leser durch ein stummes h angezeigt werden.
- Soll die offene Stammsilbe kurz gesprochen werden (Ket-te), wird ein zusätzliches t als Stopper eingefügt, um dem Leser das vertraute Muster für den kurzen Stammvokal zu präsentieren.
Haben die Kinder diese elementare Funktion der beiden Silbenmuster erkannt, können wir vom silbierenden zum flüssigen Lesen übergehen. Wir haben bei diesem Lernprozess das Dehnsprechen vermieden, das in der Folge häufig zur Übergeneralisierung der Doppelkonsonantenschreibung (Kof-fer also Käf-fer) führt. Darüber hinaus lesen die Kinder mit der richtigen Betonung (Trochäus), was für das sinnerfassende Lesen von großer Bedeutung ist.
Zur Schreibsteuerung sprechen wir jedoch weiterhin in Silben und schreiben mit zwei Farben. Die Arbeit mit den beiden elementaren Silbenmustern erschließt uns in den folgenden Schuljahren die wichtigsten Regeln der Orthografie: ie, stummes h, Doppelkonsonanten, tz (alias zz) und ck (kk). In rhythmischen Übungen mit Kontrastpaaren (Wie-se – wis-sen, Kä-fer – Kof-fer, Sä-ge – Sä-cke, Käu-ze – Kat-ze usw.) entwickeln wir die akustische Differenzierungsfähigkeit der Schüler. Sie sind dann in der Lage, Dehnungen und Schärfungen spontan zu schreiben.
Das ist aus unserer Sicht die Logik des Zeichensystems Schrift. Die Pilotsprache erscheint besonders geeignet, diesen Sachverhalt zu vermitteln. Weitere Informationen finden Sie hierzu unter Arbeitsheft Kontrastpaare (langsame und schnelle Wörter rhythmisch unterscheiden).
Für Schülerinnen und Schüler ist es meist leichter, in dieser systematischen Weise mit der Rechtschreibung umzugehen. Sie sind unbefangener als Erwachsene mit ihrer langen, oft widersprüchlichen Erfahrung mit diesem Thema. Die grundsätzliche Betrachtung von Wörtern in der zweisilbigen Grundform legt auch das silbische Verlängern bei fraglicher Schreibung des Auslautes nahe, z. B. „liegend“ mit d oder t am Ende wird abgeleitet über die silbische Verlängerung „liegende“.
Wenn wir die Schreibfehler vieler Schülerinnen und Schüler über einen längeren Zeitabschnitt beobachten, stellen wir fest, dass die Großschreibung nach Artikel, die Schärfung, die Dehnung und die sogenannten „Leichtsinnsfehler“ die Hauptfehlerquellen ausmachen. Die Bezeichnung „Leichtsinnsfehler“ ist irreführend: Kein Kind macht in Prüfungssituationen „leichten Sinnes“ Fehler. Es handelt sich dabei vielmehr um Steuerungsfehler, weil das Silbenschreiben nicht automatisiert ist.
Wenn es gelingt, die oben genannten Fehler zu vermeiden, ist in jedem Falle ein zumindest befriedigender Standard zu erreichen. Auf dieser Grundlage können dann, wo dies notwendig erscheint, periphere Sondergrafien erarbeitet werden.
Zur Frage der phonetischen Bewusstheit
Im Lehrgang „Lesen und Schreiben in Silben“ werden Wörter von Anfang an strukturiert wahrgenommen, z.B.: La ma. Die Entsprechung der zeitlichen Abfolge (1. Silbe – 2. Silbe) des gehörten oder gesprochenen Wortes mit der räumlichen Anordnung von links nach rechts (in zwei Farben) wird andauernd bewusst gemacht. Die Schreibung der einzelnen Silbe erfolgt nach dem gewohnten Raster: Starter – Klinger oder Starter – Klinger – Stopper. Diese permanente Strukturierung des Schreibens ist für alle Kinder eine Orientierungshilfe. Reine Anlautkonzepte ohne Silbenstruktur müssen die Orientierung im gehörten oder gesprochenen Wort vermehrt durch „Übungen zur phonetischen Bewusstheit“ unterstützen.



