Die Phasen des Schreibenlernens gemäß der Silbenmethode
Phase 3: Von Einzelsilben zu Wörtern – Fallbeispiele
An dieser Stelle des Lernprozesses können wieder Seitigkeitsprobleme
auftreten (z. B. Salaman red).

Wird eine geschlossene Silbe, z. B. „der“, nicht unmittelbar nach dem Sprechen geschrieben (weil ein Buchstabe nicht verankert ist), treten häufig Fehlschreibungen auf. Das Zögern nach dem Sprechen verhindert, dass der elementare Regelkreis zwischen Sprechen und Schreiben aufgebaut wird. In diesem Fall ist es langfristig immer günstiger, eine Stufe im Schwierigkeitsgrad zurückzugehen, als bei hohen Anforderungen schleppend zu arbeiten, da neuronale Verknüpfungen nur innerhalb eines Zeitfensters von etwa drei Sekunden aufgebaut werden können.
Zur Schreibsteuerung sprechen wir in Silben und schreiben mit zwei Farben. Die Arbeit mit den beiden elementaren Silbenmustern erschließt uns in den folgenden Schuljahren die wichtigsten Regeln der Orthografie: ie, stummes h, Doppelkonsonanten, tz (alias zz) und ck (kk).
In rhythmischen Übungen mit Kontrastpaaren (Wie-se – wis-sen, Kä-fer – Kof-fer, Sä-ge – Sä-cke, Käu-ze – Kat-ze usw.) entwickeln wir die akustische Differenzierungsfähigkeit der Schüler. Sie sind dann in der Lage, Dehnungen und Schärfungen spontan zu schreiben.
Das Silbenmuster Starter – Klinger – Stopper wird von den Kindern immer kurz gesprochen. Wir vermeiden in diesem Stadium einsilbige Wörter wie Hut, Mut, Ton und Tür, die als ehemalige th-Wörter unserer Regel nicht entsprechen. Zweisilbige Formen dieser Wörter sind unproblematisch. Ebenso diktieren wir Sätze im Plural, wenn Auslautverhärtungen und Doppelkonsonanten vor „t” Schwierigkeiten bereiten würden.
Also nicht: Der Hund bellt. Sondern: Die Hunde bellen.
Den Satz im Plural können die Kinder mit der verfügbaren Strategie richtig schreiben. Erst wenn Sicherheit auf diesem Niveau erreicht ist, behandeln wir die Schreibung von Ableitungen.
Beim Schreiben nach Gehör wie auch beim freien Schreiben wird die Lauttabelle zu Hilfe genommen. Damit gelingt es jedem Kind, die Buchstaben zu verankern. Die Kontrolle erfolgt durch das Kind selbst. Die Wörter werden silbierend gelesen und bewusst auf die Übereinstimmung mit dem entsprechenden Silbenmuster überprüft.
Wenn dieser Prozess:
1. silbenweises Vorsprechen,
2. unverzügliches Schreiben mit wechselnden Farben,
3. silbierendes Lesen und Kontrolle des Silbenmusters zum Ritual (verinnerlicht) wird, gelingt das Schreiben ohne Auslassungen und Verdreher.
Die Kinder gewinnen Sicherheit und Selbstvertrauen nach dem Motto:
„Ich kann selbst herausfinden, wie man richtig schreibt!“
Diese Einstellung lässt keine Angst vor Fehlern aufkommen und trägt als selbst bestimmtes Handlungskonzept viel zur Schreibmotivation bei.



