ABC der Tiere – Poster „Dehnungs-h“

Das Poster thematisiert die h-Schreibung.

Die Dehnungs-h-Schreibung kann in der Grundschule systematisch gelehrt und gelernt werden. Ziel ist dabei, den Kindern auf ihrem jeweiligen Wissensstand passende Regeln an die Hand zu geben. Mit diesen Regeln lässt sich der Grundwortschatz der Grundschule sowie auch der Kernwortschatz des Deutschen zuverlässig abbilden.

Mit dem Poster „Dehnungs-h“ können auftauchende Dehnungs-h-Wörter im Unterricht besprochen und zugeordnet und an den entsprechenden Stellen aufgeschrieben werden.

Auf der Rückseite werden die Regeln zur systematischen h-Schreibung ausführlich vorgestellt.

(Format: DIN A0, gefaltet auf DIN A4)



Das Dehnungs-h in ABC der Tiere

Wir unterscheiden das Dehnungs-h und das silbentrennende h. Das Dehnungs-h, auch „stummes h“, steht am Ende der ersten Silbe (Zah-len), das silbeninitiale h, auch „silbentrennendes h“, am Anfang der zweiten Silbe (ge-hen).

Der Unterricht zur Schreibung des „stummen h“ folgt einer didaktischen Spirale, die sich über die vier Grundschuljahre erstreckt.

In der ersten Klasse schreibt der Lehrer die auftretenden Wörter, wie Ohr, Uhr, Zahl oder zehn in einsilbiger Form auf das Piratenschiff. Beim Lesen von Starter-Klinger-Stopper-Silben wird großer Wert auf die flüssige Artikulation von „lam“ und nicht „laaam“ – später „Lampe“ gelegt. Die Regel lautet: „Starter-Klinger-Stopper-kurz“. Die ungespannte Artikulation der Vokale in der betonten Silbe ist die Schwierigkeit. Diese Erfahrung ist gleichzeitig Grundlage für das Verständnis der Funktion des „stummen h“ in Wörtern wie „Zahl“: „a“ wird hier gespannt oder lang gesprochen. Deshalb macht es Sinn, die wenigen Einsilber mit h aufzuführen.
Außerdem entlastet es die Kinder beim Schreiben dieser Wörter; das Plakat ist immer, auch bei Schreibkontrollen, zu sehen.

Im zweiten Schuljahr wird die l m n r-Regularität als unbedingte Voraussetzung der h-Schreibung eingeführt. Die Kinder schreiben im Anschluss an Rechtschreibgespräche weitere h-Wörter in einsilbiger Form auf das Plakat. Die einsilbigen Formen vererben die h-Schreibung an die zweisilbigen Wörter: Wir schreiben „Zahlen“ wegen „Zahl“.

In der dritten Klasse kommen wir bei der Behandlung der Wortstämme wieder auf die
l m n r-Regularität zu sprechen. Indem wir zu den einzelnen Wortstämmen die Wortfamilien bilden, erreichen wir mit unserer Regelbildung immer mehr h-Wörter.

In der vierten Klasse schränken wir die bisherige Regel durch zwei Subregeln ein:

  • Wörter mit Doppelstarter, wie „Spur“ oder „Schwan“, werden nicht mit einem „stummen h“ geschrieben.
  • Wörter mit t-Starter, wie „Ton“ oder „Tal“, werden nicht mit h geschrieben.

Außerdem besprechen wir die Unterscheidungsschreibungen, wie „mehr – Meer“ oder „mahlen – malen“.

Schriftwerdung ist ein historisch komplexer Prozess: Schreibgewohnheiten, Herkunft von Wörtern aus angrenzenden Sprachregionen, Zeitgeist und Reformbestrebungen haben sich in der Schreibung niedergeschlagen.

Deshalb muss jede Regelbildung damit rechnen, dass Lernwörter, die von der Regel nicht erfasst werden, übrig bleiben. Auf das Verhältnis zwischen sachgemäßer Regelbildung und geringer Anzahl von Lernwörtern kommt es an. In unserem Fall sind das Wörter wie „Stuhl, Stahl, stehlen, Pfahl, prahlen, Bär, holen, hören“.

Der Germanist Johann Christoph Adelung (1732 – 1806) bemühte sich um die Lehr- und Lernbarkeit der Schrift. Seine Betrachtung des „Gewichts“ der Wurzelsilbe (vergleichbar mit unserem heutigen Wortstamm) führte zum Ausschluss der h-Markierung bei komplexen Anfangsrändern der betonten Silbe. Jakob Grimm (1785 – 1863) dachte nicht wie Adelung ästhetisch konstruktiv, sondern historisch etymologisch. Deshalb räsoniert er in einer Gegenrede: „Warum schreiben wir grün aber kühn?“ Er wollte das Dehnungs-h in „kühn“ eliminieren.

Die Orthographische Konferenz von 1901 schaffte die th-Schreibung ab, die Funktion des „th“ als Längenmarkierung wurde dabei übersehen. Außerdem gab es, aus Gründen der weiteren Vereinfachung der Orthografie für das breite Volk, Überlegungen, das Dehnungs-h abzuschaffen. Das ist nicht erfolgt; aus heutiger systematischer Betrachtung ein Glücksfall. Wörter wie Tal, vormals „Thal“, erhielten jedoch kein Dehnungs-h („Tahl“).

Neben Reformbestrebungen war auch die Bewahrung von Schreibgewohnheiten ein wichtiges Anliegen. Das Wort „prahlen“ erlangte im 17. Jahrhundert durch Luthers Bibelübersetzung gemeinsprachliche Geltung. Aus Respekt vor der Schreibung in der Bibel und der Unterscheidungssicherheit zu „prallen“ wurde die h-Schreibung beibehalten.

Das Sternbild „Großer Bär“ ist in mittelalterlichen Sternkarten und vielen literarischen Texten enthalten, also wird die Schreibung respektiert. Außerdem hatte das Endrand-r zeitweise die Funktion einer Längenmarkierung.

Bei Wörtern wie Stuhl, Stahl, stehlen wurde der Anlaut nicht komplex empfunden, also kein Hindernis für die h-Schreibung. Die Unterscheidungsschreibung zu Stall und stellen war wohl ein weiteres Argument. Bei „holen“ ist die Unterscheidungsschreibung zu „hohl, aushöhlen, die Höhle“  zu beachten.

Im Unterricht kann es nicht um die historische Begründungen von Abweichungen gehen. Das didaktische Konzept der h-Schreibung folgt dem generellen Ansatz von „ABC der Tiere“, die Rechtschreibung aus der Systematik des Silbenbaus zu entwickeln. Die didaktische Reduktion auf die für den Unterricht relevanten Wörter ergibt etwa 80 h-Wörter, die mit unserer Regelbildung und den wenigen Lernwörtern erfasst werden. Als Merkhilfen entwickeln die Schüler gegebenenfalls  individuelle mnemotechnische Wort-Bildverknüpfungen.

Anm.: In Klasse 1 und 2 kann die Vorderseite mit dem Piratenschiff in der Klasse aufgehängt werden. h-Wörter werden, wenn sie im Unterricht auftauchen, in einsilbiger Form eingetragen. Die l m n r-Regularität wird dadurch zunächst implizit und am Ende von Klasse 2 explizit wahrgenommen. In Klasse 3 wird das Plakat mit der Rückseite aufgehängt. Die Subregeln des 4. Schuljahres sind noch eingeklappt. In Klasse 4 nutzen wir die volle Rückseite.

Mit der exklusiven Darstellung des Themas „Dehnungs-h“ wollen wir Eltern und Lehrern einen Einblick in die Arbeit mit ABC der Tiere vermitteln. Der systematische Schrifterwerb folgt der inneren Logik der deutschen Schrift und führt die Schüler zu einem durch Einsicht geprägten Umgang mit der Schrift.

Mildenberger Internetshop

ABC der Tiere 1 –
Poster „Dehnungs-h“

DIN A0, gefaltet auf DIN A4

Bestell-Nr. 1402-87
ISBN  978-3-619-14287-3

Kostenlose Prospekte

Prospekt: ABC der Tiere, Klasse  1 – 4


Prospekt: Eine Einführung in die Silbenmethode


Prospekt: Die Silbenmethode – Lesetexte · Silbenspiele