Fallbeispiel – Kompensation

 

Annegret

Annegret ist die Tochter eines Kollegen. Im zweiten Halbjahr von Klasse 2 suchte er bei uns Hilfe und zeigte uns „Loni, die kleine weiße Ente”. Die Arbeit war im freien Schreiben entstanden. Annegret kannte zu diesem Zeitpunkt nur einige Buchstaben. Sie war nicht in der Lage, ma oder mu zu lesen oder nach Diktat zu schreiben. Annegret hatte eine massive Schreibunlust und war nur durch Ballspielen vor jeder Übungseinheit zur Mitarbeit zu bewegen.

Schreibversuch

Zuerst haben wir Silbenkärtchen (ma, me ...) erlesen, danach verdeckt und geschrieben. In kleinsten Lernschritten, um wieder eine Motivation aufzubauen, hat Annegret die Graphem-Phonem-Relationen erlernt.

Das Prinzip der Silbenmethode besteht darin, die Namen der Konsonanten anfangs zu übergehen. Konsonanten werden zusammen mit Vokalen gelesen (Starter-Klinger-Kombinationen). Als Hilfe stehen uns die Gebärden zur Verfügung. Jeder Konsonant kann so bezeichnet werden ohne ihn isoliert zu lautieren. Wir geben zusätzlich den Hinweis: „Lass beide zusammen heraus – ohne Luft dazwischen.” In der Unterscheidung von ma und la, oder von la und ta wird der Lautwert der Starter deutlich. Werden nach etwa 8 – 10 Unterrichtswochen diese Starter-Klinger-Kombinationen flüssig gelesen und geschrieben, folgt die nächste Stufe: Starter-Klinger-Stopper-Kombinationen.

Das Diktat aus der 3. Klasse zeigt Annegrets Entwicklung.

Ihre Schreibunlust war überwunden. Sie konnte silbieren und das Schreiben so regulieren.


Diktate in der 4. Klasse schrieb sie oft fehlerfrei und wechselte auf die Realschule.


Nach dem Wechsel auf das Gymnasium erhielt sie mehrere Klassenpreise und legte das Abitur mit guter Gesamtnote ab.


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