Silbenmethode

Silbenhäuser – Die Hausordnung der Rechtschreibung

Mit den Silbenhäusern kennen die Kinder quasi die Backform der deutschen Wörter. Sie schreiben, was sie hören UND was sie wissen.

Mit den Silbenhäusern lässt sich die korrekte Schreibung aller deutschen Standardwörter systematisch ableiten. Worauf kommt es bei den Silbenhäusern an? Wie setzt man sie optimal im Deutschunterricht ein? Welche Regeln muss man kennen?

Systematische Orthografie

Die deutsche Orthografie ist systematisch strukturiert. Deshalb kann die Orthografie auch von Anfang an systematisch und strukturiert gelehrt werden. Die Kinder sollen in der Lage sein, mit wenigen allgemeinen Regeln die Schreibung der deutschen Standardwörter abzuleiten. Dazu dient das Modell der Silbenhäuser.

Die 3 Silbenhäuser A, B und C in ABC der Tiere

Beim silbenweisen Schreiben mit zwei Farben werden die Leseregeln zu Schreibregeln, Orthografie gelingt intuitiv.

Silbenhaus A:
1. Silbe offen

Silbenhaus B:
1. Silbe geschlossen

Silbenhaus C:
Doppelkonsonant

Ab Klasse 2 werden die Rhythmusübungen für die Orthografie systematisch genutzt. „Langsame“ Wörter stehen in Silbenhaus A, „schnelle“ Wörter (Doppelkonsonanten) in Silbenhaus C.

  • Die betonte Silbe wohnt im Haus, die unbetonte in der Garage.
  • Ein Wort mit offener 1. Silbe wohnt im Silbenhaus mit dem gelben Zimmer: Silbenhaus A.
  • Ein Wort mit geschlossener 1. Silbe wohnt im Silbenhaus mit 3 Zimmern: Silbenhaus B.
  • Ein Wort mit Doppelkonsonant wohnt im Silbenhaus mit angebauter Garage: Silbenhaus C.
  • In der Garage ist immer ein e.

Quergelesen

Die deutsche Orthografie ist systematisch. Deutsche Standardwörter sind immer zweisilbig. Die erste Silbe wird betont.

Bei der Klärung der Rechtschreibung helfen die Silbenhäuser vom ABC der Tiere. Es gibt drei verschiedene Typen: Silbenhaus A für Wörter, bei denen die betonte Silbe offen ist, Silbenhaus B für geschlossene Silben, Silbenhaus C für Doppelkonsonanten.

So geht man mit Besonderheiten bei der Schreibung in Silbenhäuser um:

  • ck und tz waren früher Doppelkonsonanten, gehören also konsequenterweise ins Silbenhaus C.
  • Beginnt ein Wort mit einem Vokal, wird das erste Zimmer mit einem neutralen Zeichen, z. B. einem Stern, blockiert.
  • Doppellaute wie ei oder äu teilen sich das gelbe Zimmer im Silbenhaus A.
  • Konsonantenhäufungen am Anfang oder Ende einer Silbe teilen sich das Zimmer.
  • Wörter mit einem stummem h im Wortstamm passen nur ins Silbenhaus A. Der Vokal und das h teilen sich das gelbe Zimmer.

Besonderheiten der Silbenhaus-Schreibung

ck und tz

ck und tz waren früher Doppelkonsonanten (ck = kk, tz = zz) und haben auch die gleiche Funktion.

Daher wohnen diese Wörter im Silbenhaus C.

ck im Silbenhaus und in Lesetexten

Im Haus erfüllt das „c“ die Funktion des Stoppers und ist deshalb als Teil der ersten Silbe im Stopperzimmer des Hauses in Blau markiert. Im Lesetext markieren wir das „c“ aber rot, damit es nicht fälschlich als eigener Buchstabe gelesen wird,
also z. B.: bac-ken, könnte als baz-ken gelesen werden, was das Leseverständnis unmöglich macht. Durch die farbliche Zuordnung zum Starter der zweiten Silbe wird die Einheit „ck“ für das Lesen hervorgehoben.

sch und ch als Starter der zweiten Silbe

Die Laute „sch“ und „ch“ können in der Wortmitte als Starter der zweiten Silbe in Silbenhaus A oder B stehen: wei-chen, wün-schen.

In „schnellen“ Wörtern (wischen, Kachel) haben sie die Funktion eines Doppelkonsonanten (Silbenhaus C). Das wird in der Schrift aber nicht abgebildet (wischschen, Kachchel). Diese Wörter schreiben wir nicht in das Silbenhaus.

Garage

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Die Garage kann zwei oder drei Zimmer haben.

So hat z. B. das Wort lesen 3 Zimmer in der Garage und das Wort Tinte nur 2 Zimmer in der Garage.

Vokal am Wortanfang

Starter und Stopper sind in der ersten Silbe fakultativ. Nur der Klinger ist obligatorisch.
Z. B. Esel, EberAuge, Affe, Apfel.

Beginnt das Wort mit einem Vokal (a, e, i, o, u), wird der fehlende Starter bei der Schreibung durch ein neutrales Zeichen, z. B. ein Sternchen *, ersetzt. Im ersten Zimmer befindet sich also ein Stern.

Doppellaute

Wörter mit Doppellauten (ei, ie, au, äu, eu, ai, eu) in der 1. Silbe wohnen im Silbenhaus A.
Die Doppellaute beziehen das Doppelzimmer.

So z. B. der Doppellaut „ei“ in Leine oder der Doppellaut „ie“ in Wiese.

Konsonantenhäufungen

Stehen am Anfang oder Ende einer Silbe mehrere Buchstaben, teilen sich diese ein Zimmer.

So z. B. bei der Konsonantenhäufung „Sch“ in Schule oder „kl“ und „rn“ in klettern.

Alle Grundlagen zur Silbenhaus-Schreibung in Bild und Ton

Zur Veranschaulichung haben wir alle Grundlagen der Silbenhaus-Schreibung aus dem Lehrgang ABC der Tiere in einer animierten Präsentation für Sie zusammengefasst:

Die Häuschenschreibung

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Wie helfen die Silbenhäuser bei Problemen mit der Rechtschreibung?

Mit dieser einfachen Übung lässt sich die korrekte Schreibweise schnell ermitteln:

Ob ein Wort mit oder ohne Doppelkonsonant geschrieben wird, erkennt man am Wortrhythmus. Daher werden Wörter zur Klärung der korrekten Schreibweise einmal im Rhythmus schnell und direkt danach im Rhythmus langsam gesprochen.

So z. B. das Wort Ziege. Zur Klärung der korrekten Schreibweise bildet man folgendes Minimalpaar, das sich nur im Rhythmus unterscheidet: „Ziege – Zigge“.

Ohne Frage ist der erste Rhythmus richtig, also schreibt man das Wort ohne Doppelkonsonant. Damit steht das Wort im Silbenhaus A. Und „i“ – so die Regel – schreibt man in der offenen Silbe immer „ie“. Daraus ergibt sich eindeutig die korrekte Schreibung Ziege.

Auf den Wortstamm kommt es an

Doch wie verhält es sich z. B. mit dem Wort „kann“?

Die deutsche Orthografie verlangt die konstante Stammschreibung. Fordert das Verb in der Grundform den Doppelkonsonanten (wie z. B. können), werden auch alle übrigen Formen mit Doppelkonsonant geschrieben (ich kann, du kannst usw.). Und zwar auch dann, wenn die übrigen Formen selbst ohne Doppelkonsonant mit festem Anschluss gelesen würden: z. B. wir konnten – für die korrekte Aussprache würde ja ein „n“ ausreichen.

Daher bildet man zur Klärung der korrekten Schreibweise des Wortes „kann“ zunächst die zweisilbige Grundform: „können“. Um zu ermitteln, ob die Grundform mit oder ohne Doppelkonsonant geschrieben wird, wird die Grundform im Rhythmus erst langsam und dann schnell gesprochen: „könen – können“.

Hier ist eindeutig der zweite Rhythmus und damit Silbenhaus C richtig. Also: Schreibung mit Doppelkonsonant. Und wegen der konstanten Stammschreibung bedeutet das: Doppelkonsonant auch in der einsilbigen Personalform. Daher schreibt man „kann“ mit Doppel-n.

Wer die Häuschenschreibung beherrscht, braucht kein Diktat zu fürchten

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In dem Video fasst Klaus Kuhn noch mal alles zum Thema Silbe zusammen und demonstriert die Silbenhäuser A, B und C.