Silbenmethode

Gib LRS keine Chance! Folge 1/4

Übungsformen im Vorschulalter

Der Grundstein für korrektes Lesen und Schreiben wird bereits im Vorschulalter gelegt. Daher ist es so wichtig, dass Kindergarten und Grundschule eng miteinander kooperieren. Vor allem im letzten Kindergartenjahr sollten die „schriftsprachunabhängigen Vorläuferfertigkeiten“ geübt werden. Denn die Erfahrung zeigt: Kinder, die diese Fertigkeiten beherrschen, haben keine Probleme mit dem Lesen- und Schreibenlernen. Welche Übungen besonders geeignet sind und was es mit diesen Übungen auf sich hat, verrät Ihnen Klaus Kuhn in diesem Video.

LRS und Legasthenie

Immer mehr Kinder entwickeln eine sogenannte LRS-Symptomatik oder Legasthenie. Der Anteil an schwachen Lesern und Schreibern ist groß. Das bezeugen die PISA-Studien und Bildungsberichte der vergangenen Jahre.

Bei LRS (Lese-Rechtschreib-Schwäche) werden die Ursachen in äußeren, vorübergehenden Umständen gesehen. Ursachen sind hier z. B. längere Krankheit und damit Schulausfall, eine falsche Lern- und Lehrmethode oder familiäre Probleme.

Legasthenie hingegen gilt als eine genetisch bedingte Lese-Rechtschreib-Störung. Die entwicklungsbedingte Teilleistungsstörung des Gehirns gilt als ursächlich für die Schwierigkeiten beim Erlernen der Schriftsprache.

Wird eine Legasthenie diagnostiziert, wird damit oft jedes Bemühen um eine Veränderung der Situation als sinnlos abgetan. Dabei lassen sich bei systematischem Vorgehen und der richtigen Methode auch bei sogenannten Legasthenikern gute Erfolge erzielen, so dass sie normal lesen und schreiben können.

Meistens hapert es an den schriftsprachunabhängigen Vorläuferleistungen

Kinder, die Probleme mit der Schriftsprache haben, haben meistens Probleme, die schriftsprachunabhängigen Vorläuferfertigkeiten sicher auszuführen. Sind diese nicht ausreichend entwickelt, wirkt sich das negativ auf die Lese- und Schreibfähigkeiten der Kinder aus.

Folgende Fertigkeiten sollten zu Einschulungsbeginn sicher beherrscht werden:

  • Festigung der Händigkeit und der Koordination
  • synchrones Silbensprechen und Klatschen
  • simultanes Erfassen von Mengen
  • sichere Beurteilung von Seitigkeit und Raumlage
  • eine gute Artikulation und ein ausgeprägtes Sprachgedächtnis
  • soziale Integration in die Gruppe

Defizite bei der Ausführung dieser Fertigkeiten sollten so bald als möglich behoben werden. Je früher hier gehandelt wird, desto besser.

Trainieren Sie die Vorläuferfertigkeiten so lange, bis das Kind die Übungen korrekt ausführt. Welche Übungen sich hier besonders gut eignen, sehen Sie im Video auf dieser Seite.

Doch was sind eigentlich die Ursachen? Wie kann den Kindern wirksam geholfen werden?

Erfolgreiche Einzelförderung bei Legasthenie

Schnell werden Lese- und Rechtschreibprobleme als unvermeidliches Problem eingestuft.

Doch die Diagnose LRS oder Legasthenie ist KEIN unvermeidliches Schicksal.

Mit gezielter Einzelförderung konnten schon schwerste Fälle von sogenannten Legasthenikern durch silbenorientiertes Arbeiten in einem Intensivkurs über einige Monate zu guten Lese- und Schreibleistungen geführt werden. (Mehr dazu in der nächsten Folge: „Markus – ein Legastheniker lernt lesen und schreiben“.)

Ursachen für die aktuellen Probleme

Neben der Klassengröße und den nicht ausreichenden Deutschkenntnissen von Kindern mit Migrationshintergrund sind die Ursachen auch in der Wahl der Methode zu sehen.

Es darf als gesichert gelten, dass Kinder mit einem LRS-Risiko in einem systematischen Silbenlehrgang die besten Ergebnisse erzielen. Aus diesem Grund arbeiten alle erfolgreichen Fördermaßnahmen mit Silben.

Didaktische Entscheidung: Wahl der Methode

Grundlegend für die erfolgreiche Lese- und Schreiberziehung ist dann aber die Wahl der Methode. Diese Entscheidung sollte nicht ideologisch, sondern auf Grund sachlicher Erwägungen getroffen werden.

Lesekundige lesen völlig anders, als es Kindern mit bestimmten Methoden im Anfangsunterricht beigebracht wird. Zum Beispiel sind Methoden wie „Lesen durch Schreiben“ am einzelnen Laut orientiert. Die Anfänger sollen dabei aus einzelnen Anlauten den Wortlaut durch eigenständige Synthese erzeugen.

Fehlerpotenzial: phonetische Analyse und Synthese

Dem Leseanfänger wird bei der Methode „Lesen durch Schreiben“ die phonetische Analyse und Synthese – zwei Arbeitsgänge mit großem Fehlerpotenzial – aufgebürdet. Für einen Großteil der Kinder stellt das eine Überforderung dar.

Schlechte Leser behalten das Handicap des Anfängers: Sie reihen Buchstaben aneinander, verstehen aber nicht den Sinn. Wer nur einzelne Buchstaben lernt, kann Probleme beim Lesen und Schreiben bekommen.

Lesekundige dagegen sind in der Lage, Buchstaben als Zeichen der Schrift in größeren Zusammenhängen (Silben) zu nutzen.

Analytische Silbenmethode

Die Silbenmethode setzt genau hier an, indem sie den Anfängern von vorneherein den Zugang zum Lesen über die Silbe ermöglicht. So werden die oben beschriebenen Fehlerquellen vermieden und die Kinder gelangen schnell zu motivierenden Leseerfolgen.

Dabei weisen die Hinweise aus der Fachliteratur und die eigenen Beobachtungen der Autoren der analytischen Silbenmethode in „ABC der Tiere“ auf zwei Gesichtspunkte hin, die für ein LRS-Risiko ursächlich sind:

Richtungsunsicherheit aufgrund einer nicht eindeutig entwickelten Seitigkeit und mangelnde Koordination von Sprache und Bewegung.

Training zur Behebung der Defizite

Um erfolgreich in den Lese- und Schreiblehrgang einsteigen zu können, sollten die Schulanfänger ihre Motorik beherrschen und ihre Seitigkeit auf unser Kulturdiktat – von links nach rechts – hin trainiert haben. Sie sollten die Raumlage sicher beurteilen können und Wörter silbieren können.

Die Mal- bzw. die Schreibhand sollte im Vorschulalter ermittelt werden.

Je schwächer das Körperschema eines Menschen – aus welchen Gründen auch immer – entwickelt ist, umso schwerer tut er sich bei allen komplexen Tätigkeiten. Und dazu zählt das Lesen und Schreiben genauso wie Seilspringen, Jonglieren und jegliche sportliche oder musikalische Betätigung.

Es empfiehlt sich daher, alle LRS-Fördermaßnahmen mit umfangreichen Bewegungsspielen zu begleiten.

Frühförderung im Kindergartenalter

Vorschulkinder, die in einem Reigentanz oder einem Lied den Silbenschnitt, den Wort-Akzent, Wort-Rhythmus und Endreim erfahren, sind auf das Lesen und Schreiben gut vorbereitet.

Das Beherrschen solcher Übungen ist die unbedingte Voraussetzung für das Lesen- und Schreibenlernen. Diese Übungen sind also immer bei Bedarf anzuwenden. Sei es im letzten Kindergartenjahr oder in der Grundschulklasse, wenn allen Kindern diese Fertigkeiten fehlen, oder in der Einzelförderung.

Die Übungen knüpfen an die bereits vorhandenen Fertigkeiten der Kinder an.

Reime fördern das Silbenverständnis

Reime fördern das Silbenverständnis. Daher ist das Aufsagen von Kinderreimen, auch Abzählreimen, wie

  • ene – me – ne – mu
    und raus bist du
  • me – mi – mo – mu
    und raus bist du
  • ri – ra – rutsch,
    wir fahren mit der Kutsch
  • mu – mu – mu,
    so ruft die bunte Kuh

Singen Sie Lieder

Das Singen und Singenlernen von Kinderliedern fördert nicht nur die Musikalität und das Rhythmusgefühl der Kinder. Es trainiert nebenbei auch das Silbenverständnis.

Beim Singen werden die Silben einzeln betont. So z.B. beim Singen der bekannten Kinderlieder:

  • Alle meine Entchen schwimmen auf dem See …
  • Kuckuck, Kuckuck, ruft’s aus dem Wald …
  • Fuchs du hast die Gans gestohlen …
  • Hoppe, hoppe Reiter …
  • Backe, backe Kuchen, der Bäcker hat gerufen …

Synchrones Sprechen und Klatschen

Hinzu kommt das synchrone Sprechen und Klatschen der Silben. Dabei kommt es darauf an:
  1. Silben zu sprechen, zu erfassen und zu üben, bis diese automatisiert sind, um „Buchstabenadditionen“, die Kinder beim Lesen- und Schreibenlernen immer schwerfallen, zu umgehen,
  2. die Betonung des deutschen Standardwortes (1. Silbe betont, 2. Silbe unbetont) bewusst zu sprechen,
  3. die Koordination von Silbensprechen und Motorik durch Sprechen und synchrones Klatschen der Silben zu erleben

Die Koordination von Sprechen in Silben und Handmotorik beim Schreiben muss automatisiert werden. Vorbereitende Übungen stellen Abzählreime, Sing- und Spiellieder und die Spiele „Klatsch die Silbe“ dar.

Diese Fertigkeiten sollten die Kinder bereits beherrschen, wenn sie eingeschult werden. Falls Kinder hier Schwierigkeiten haben, muss vor jedem weiteren Unterricht das Beherrschen der Fertigkeiten trainiert werden.

Klatschspiele machen den Kindern Spaß – besonders, wenn sie am PC durchgeführt werden können. Aus diesem Grund haben wir ein PC-Silbenspiel entwickelt, das wir Ihnen und Ihren Schülern kostenlos zur Verfügung stellen.

  • 1. Schuljahr
  • Üben und Trainieren
  • Schüler & Eltern
ABC der Tiere

Klatsch die Silbe!, Spiel (Einzel-Set)

Spiel zum Einüben des Silbenklatschens

Diese einfache Übung macht schon kleinen Kindern großen Spaß. Das Silbenklatschen ist das gleichzeitige Sprechen und Klatschen in Silben. Das ist von zentraler Bedeutung für das Lesen- und Schreibenlernen. Wenn...

Bestell-Nr.: 1402-89 ISBN: 978-3-619-14289-7

Silben findet man in jedem Wort – auch in Wörtern, die man gar nicht kennt

Im Video „Silber? Silben? Worum geht’s?“ (siehe Seitenanfang) erklärt Lurs, das grüne Lese- und Rechtschreibmonster, seinen Lürslein, dass man Silben in jedem Wort finden kann – sogar in Wörtern, die man gar nicht kennt.

Er lässt seine Lürslein zunächst das einfache Wort Hase in Deutsch und dann fremd klingende Wörter in einer Fremdsprache, nämlich Suaheli, silbieren:

bata: Ente

tembo: Elefant

samaki: Fisch

kongoni: Antilope

kumbikumbi: Ameise

hakuna matata: kein Problem

Interkulturelles Silbenklatschen

Machen Sie es doch wie das grüne Lurs-Monster und klatschen Sie Wörter in einer Fremdsprache. Am besten nutzen Sie dazu die sprachliche und kulturelle Vielfalt Ihrer Klasse. Bitten Sie eines oder mehrere mehrsprachig aufwachsende Kinder Ihrer Klasse, Ihnen ein paar Wörter, zum Beispiel Tierbezeichnungen, in ihrer Muttersprache zu nennen und klatschen Sie diese mit der gesamten Klasse.

Sie werden sehen: Das macht Spaß, weckt das Interesse an anderen Sprachen und Kulturen und erhöht die Aufmerksamkeit der gesamten Klasse.

Wir stellen Ihnen für dieses interkulturelle Klatsch-Spiel 3 deutsch-türkische Wörterlisten zur Verfügung.

Wörterlisten für interkulturelles Silbenklatschen

iki heißt zwei, baba bedeutet Vater und peynir ist das türkische Wort für Käse. Silbenklatschen kann man also nicht nur auf Deutsch, sondern in fast allen Sprachen – zum Beispiel Türkisch. Klatschen Sie mit Ihren Schülern also ruhig einmal „über den Tellerrand“ hinaus und beziehen Sie so geschickt mehrsprachig aufwachsende Kinder in den Unterricht mit ein. Lernerfolg garantiert!

Ein gutes Silbenbewusstsein ist eine sichere Basis für flüssiges Lesen und korrektes Schreiben aller Schüler. Durch regelmäßiges Silbenklatschen verbessern Sie das Silbenbewusstsein aller Schüler und bringen Schwung und Spaß in den Deutschunterricht. Denn beim Silbenklatschen sind alle Kinder aktiv gefordert: Das erhöht die Aufmerksamkeit und Motivation.

Silben findet man in fast allen Sprachen. Warum also nicht mal zu Wörtern einer fremden Sprache klatschen? Sie können sich selbst eine Liste erstellen – oder Sie beziehen Ihre mehrsprachig aufwachsenden Schüler aktiv in den Unterricht mit ein und machen eine erstklassige interkulturelle Übung daraus. Das bereichert den Unterricht und weckt das Interesse an anderen Kulturen.

Denn sprachliche und kulturelle Vielfalt gehören heute zum Schulalltag. Die mehrsprachige Realität gilt es in die Klassen zu integrieren. Eine motivierende mehrsprachige Adressierung stärkt das Selbstwertgefühl Ihrer mehrsprachig aufwachsenden Schülerinnen und Schüler. Deutsche Kinder machen ihrerseits wiederum kleine Erfahrungen mit den Sprachen Ihrer Mitschüler. Das schafft Vertrauen in den eigenen Fremdsprachenerwerb und fördert den Integrationsgedanken.

Bitten Sie eines oder mehrere der mehrsprachig aufwachsenden Kinder Ihrer Klasse, Ihnen einige Wörter, zum Beispiel Tierbezeichnungen, in ihrer Muttersprache zu nennen und klatschen Sie diese mit der gesamten Klasse.

Oder geben Sie ein deutsches Wort vor und klatschen dieses mit der Klasse. Dann bitten Sie Ihre mehrsprachig aufwachsenden Kinder, dieses in ihrer jeweiligen Herkunftssprache zu benennen und klatschen es silbenweise mit der ganzen Klasse.

Sie werden sehen: Das macht Spaß, weckt das Interesse an anderen Sprachen und Kulturen und erhöht die Aufmerksamkeit der gesamten Klasse.

Damit Sie gleich heute loslegen können, stellen wir Ihnen für dieses interkulturelle Klatsch-Spiel drei deutsch-türkische Wörterlisten zur Verfügung.

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