Klasse 1

Konzeption

Standard – Ausgabe

Zur Methode allgemein

Kinder verfügen zunächst über schriftsprachunabhängige Fähigkeiten zur phonologischen Bewusstheit (Silbenklatschen, Reime, Lieder), die sich auf die späteren Schriftsprachfähigkeiten auswirken (Voraussetzungshypothese).

Mittels früher Schriftsprachkenntnisse (erste Buchstabenkenntnisse) und der damit verbundenen Einsicht in das alphabetische Prinzip erwerben sie weitere Fähigkeiten zur phonologischen Bewusstheit (Konsequenzhypothese), die sich wiederum auf die Schriftfähigkeit auswirken.

Angesichts unserer Erfahrung und vieler vorliegender Ergebnisse mit Vorschulkindern und Erstklasskinder (für einen Überblick vgl. Schneider 1999, Marx et al. 2005) müssen beide Hypothesen sinnvoll zusammengeführt werden.

Fähigkeiten auf der Silben- und Onset-Reimebene garantieren nicht allein einen erfolgreichen Schriftspracherwerb. Ebenso wenig kann man jedoch davon ausgehen, dass alle Kinder die explizite phonologische Bewusstheit auf der Phonemebene allein durch die aktive Auseinandersetzung mit der Schriftsprache (Reichen, Spracherfahrungsansatz) erwerben. Beide Fähigkeiten entwickeln sich offensichtlich interaktiv.

Der Lehrgang ist deshalb der Interaktionshypothese zur Entwicklung und Förderung der phonologischen Bewusstheit im engeren Sinne verpflichtet.

Um allen Kindern einen erfolgreichen Lesestart zu ermöglichen, werden zu Beginn Aufgaben auf dem Niveau der erweiterten phonologischen Bewusstheit (explizite Wahrnehmung der Silben) bearbeitet: Konsonant-Vokal-Verbindungen werden als „Ganzheiten“, ausgehend von Schlüsselwörtern, automatisiert. Unmittelbar im Anschluss werden die Vokale ausgegliedert (Silbenanalytische Methode). Konsonanten werden zunächst implizit wahrgenommen („ma“ wird von „la“ unterschieden). Die Positionen innerhalb der Silbe z. B. Del – fin werden mit „Starter: D“ – „Klinger: e“ – „Stopper: l“ bezeichnet und mit den entsprechenden Gebärden angezeigt.

Die durchgängigen Schreibübungen mit den „Silbenhäusern“ verdeutlichen die phonologische Struktur der geerbten deutschen zweisilbigen Wörter. Die Kinder werden mit den Regularien des deutschen Schriftsystems vertraut.

Die Verschriftung phonetischer Effekte („osdaeija“ für „Ostereier“) zu Lasten einer orthografischen Schreibweise wird vermieden.

Die Fähigkeit zur expliziten phonetischen Ausgliederung der Laute entwickelt sich in der Auseinandersetzung mit der Schrift und kann nicht als Voraussetzung von allen Kindern gefordert werden. Unter dem Dach des silbenanalytischen Ansatzes wird schreiborientiertes Arbeiten in Syntheseübungen angebahnt (Schreiben mit der Schreibtabelle).

Die Silbe als zentrale Organisationsebene der deutschen Schrift bildet das Fundament beim Lesen und Schreiben. (Siehe auch: „Schriftsystem und Schrifterwerb“ Ursula Bredel, Astrid Müller, Gabriele Hinney ((Hgg.)) bei De Gruyter RGL 289)

Zur Konzeption der Fibel

Die Fibel bietet einen leseorientierten Ansatz zum Schriftspracherwerb.

Die Silben werden durch den farbigen Silbentrenner markiert.

Durch die sich wiederholenden Aufgabenformate und die verständliche Darstellung bzw. Formulierung der Aufgaben ist der Lehrgang ABC der Tiere für das Arbeiten nach Wochenplan geeignet.

 

Zum Aufbau

Der erste Teil der Fibel bildet das Kernstück. Mit den Kapiteln „Silbenschule“ und „Einführung der restlichen Laute und Buchstaben“, S. 2 bis 73, eignen sich die Erstlesekinder die Silben, Laute und Buchstaben an.

Der zweite Teil der Fibel beinhaltet weiterführende Kapitel, mit denen sich die Lernenden tiefgreifender und auf verschiedenen Ebenen mit der deutschen Sprache beschäftigen können:

  • Das Kapitel „Lies mit Memo – Vertiefungsseiten zur Silbenschule“ (S. 74 bis 81) bietet die Möglichkeit, didaktisch anspruchsvolle Schlüsselstellen des Leselernprozesses – etwa das Erlesen von Mehrfachkonsonanten am Wortanfang – zu wiederholen, zu vertiefen und sie damit zu festigen.
  • Im Kapitel „Texte aus Kinderbüchern“ (S. 82 bis 95) wird die Vielfalt aktueller Kinderliteratur dargestellt.
    Ein Märchen (S. 96 bis 98) rundet das Textangebot ab.
  • Texte zu „Feste und Bräuche im Jahreskreis“ (S. 99 bis 111) befinden sich in einem eigenen Kapitel und sind nicht in den Leselehrgang eingegliedert. So sind sie individuell in den zeitlichen Ablauf des Schuljahres integrierbar.
  • Das letzte Unterkapitel „Schreibanlässe“ (S. 112 bis 117) schließt die Fibel ab und bereitet den Schritt zur eigenen Textproduktion vor. Kindgerecht und lebensnah regen die verschiedenen Schreibanlässe als Modelltexte zur Aneignung und Reproduktion an.

 

Zu fächerübergreifenden Querschnittsthemen

Medienbildung und Bildung für die digitale Welt zeigen sich nicht nur in den digitalen Zusatzangeboten, sondern sind auch in die Texte und Bildelemente der Fibelseiten eingebettet (z.B. S. 12, 13; S. 48, 49; S. 106; S. 116, 117).
Dank der digitalen Angebote wird Intertextualität leicht erlebbar.

Das Thema „Diversität“ spielt eine tragende Rolle. Verschiedene kulturelle Gruppen sind in Text und Bild berücksichtigt.

Rollenklischees werden vermieden, um der geschlechtersensiblen Bildung nachzukommen.

Menschenrechtsbildung, Werteerziehung, Verbraucherbildung, Bildung für nachhaltige Entwicklung, kulturelle und interkulturelle Bildung finden sich ebenfalls in Text und Bild wieder und sind fest in der Konzeption der Fibel verankert.

Die Kinder Mia, Mio, ihre Familie und die Kinder aus ihrer Klasse 1b (siehe vordere Umschlaginnenseite der Fibel), sowie das Maskottchen „Memo“ begleiten die Kinder als Identifikationsfiguren durch das Buch und bieten emotionale Bindung, Nachvollziehbarkeit sowie gelebte Diversität.

 

Weitere übergreifende Kriterien:

  • Die Fibel orientiert sich an der Welt der Kinder.
  • Der Aufbau ist für Kinder verständlich und methodisch strukturiert.
  • Die deutsche Sprache wird korrekt eingesetzt.
  • Der obligatorische Silbentrenner beschleunigt das Lesenlernen.
  • Die Einsicht in das deutsche Schriftsystem erleichtert allen Kindern das korrekte Schreiben.

 

Didaktischer Aufbau und Aufgabenformate

Silben als Ganzheit

Die Silbenfibel führt die Silben als Ganzheit ein und markiert sie durchgängig mit dem farbigen Silbentrenner. Auch beim Schreiben verwenden die Kinder zwei Farben. Das erleichtert allen Kindern das Lesen- und das orthografisch korrekte Schreibenlernen.

 

Silben – Buchstaben – Ganzwörter

Die eingeführten Silben und Buchstaben befinden sich auf den Doppelseiten in der Kassette links oben. Die Lesetexte enthalten immer nur die bis zu dieser Doppelseite eingeführten Silben und Buchstaben. In den Kassetten rechts oben befinden sich Ganzwörter mit besonderen Schwierigkeiten oder mit Buchstaben, die noch nicht eingeführt sind. Diese Ganzwörter werden den Kindern erklärt.

 

Differenzierte Übungsangebote und Aufgabenformate in verschiedenen Sozialformen

Die Silbenfibel bietet durchgängig differenzierte Lernangebote und selbstdifferenzierende Aufgabenstellungen. Jedes Kind kann auf seinem Lernstand fördernde und fordernde Herausforderungen finden – und diese auch erfolgreich meistern. Im Folgenden die Übersicht der Lernangebote und Aufgabenstellungen, die auch in der Silbenfibel auf den Seiten 118 und 119 vorgestellt werden:

 

Übungsformate im Einzelnen
Jede Fibel-Doppelseite enthält ganzheitliche Übungsaufgaben zu den eingeführten Silben und Buchstaben, welche die Erstlesekinder auf ihrem jeweiligen Lernstand fördern und fordern. Die Aufgabenformate ermöglichen eine differenzierte Bearbeitung in unterschiedlichen Sozialformen. Passende Übungsformate werden in der Fußnote auf jeder Seite vorgestellt. Eine detaillierte Aufschlüsselung der Lerninhalte und Übungsformen ist über einen QR-Code erreichbar. Dieser bietet auch Zugang zu weiterem Lesetraining, zur Sprachförderung und zu Erklärvideos. (Siehe auch den Abschnitt „Digitale Angebote über QR-Codes“ unten)

 

Sprechen
Im Klassenverband oder in Partnerarbeit tauschen sich die Kinder über das Bild, das Thema und eigene Erfahrungen aus.

 

Lesen
Die Kinder lesen die Silben, Wort-Bild-Texte, Lesetexte und die Texte in den Illustrationen. Individuelle Stolperwörter, welche den Lesefluss hemmen, werden abgeschrieben und isoliert geübt.

 

Gebärdenlesen – ganzheitliche Verankerung von Graphem und Phonem
Die Gebärden dienen zur Festigung und zur eindeutigen Identifizierung einzelner Buchstaben. Mit den Gebärden werden Vokale, Konsonanten, Silben und Wörter gebildet, erlesen und gesprochen. Die Gebärden werden mithilfe der über den QR-Code abrufbaren Erklärvideos eingeführt. Auf der Rückseite der Schreibtabelle findet sich u. A. eine Übersicht der Lautgebärden.

 

Silbenlauf – Automatisierung der Silbe
Der Silbenlauf ist eine ganzheitliche körperbetonte Übung. Als Material dienen Vokale und Konsonanten auf Papier, Holz o. Ä. Die Vokale liegen in einer „Straße“ am Boden. Auf dem linken Fuß des Kindes ist ein Konsonant befestigt, z.B. „m“. Das Kind stellt sich vor die Vokalreihe und setzt dabei immer den Fuß links neben die Vokale, sodass sich Silben ergeben. Diese Silben spricht das Kind deutlich und flüssig, z.B. „mu“, „mi“.

 

Silbenklatschen
Die Kinder sprechen Wörter und Sätze und klatschen synchron dazu die Silben.

 

Silbenkelle – Vokal-Analyse
Die „Silbenkelle“ ist eine ganzheitliche körperbetonte Übung in der Anfangsphase zu offenen Silben und zur Analyse der Vokale. Als Material können zwei Kellen, zwei Blätter Papier o. Ä. dienen. In der linken Hand hält ein Kind einen Vokal, in der rechten einen Konsonanten. Das Kind zeigt nun eine Silbe oder einen Vokal und ein oder mehrere andere Kinder sprechen die gezeigte Silbe oder den Vokal. Begonnen wird immer mit einer Silbe.

 

Silben fliegen hoch – Phonetische Ausgliederung der Silbe
„Silben fliegen hoch“ ist eine ganzheitliche körperbetonte Übung für die Anfangsphase nach dem Spiel „Alle Vögel fliegen hoch“. Hier sollen statt Vögel Silben erkannt werden. Gesucht ist also z. B. die Silbe „mi“. Die Kinder sprechen und klatschen die Wörter, z. B. „Salami“. Bei der Silbe „mi“ gehen dann alle Hände hoch.

 

Sprachforscher
Die Kinder untersuchen Wörter und Sätze und entdecken Rechtschreibregeln, die Zeichensetzung und den Satzbau.

 

Schreiben mit und ohne Schreibtabelle
Mit der Schreibtabelle können die Kinder Schreibversuche mit noch unbekannten Buchstaben durchführen. Je nach Leistungsstand schreiben sie Wörter oder Texte.

 

Digitale Medien
An ausgewählten Stellen wird auf den Einsatz digitaler Medien hingewiesen, eine Recherche im Internet vorgeschlagen, die Erstellung eines E-Books angeregt …

 

Ich – Du – Wir
Der methodische Dreiklang aus Einzelarbeit, Partnerarbeit und Gruppenarbeit kann zu vielen Themen durchgeführt werden. An ausgewählten Stellen ist das Modul als Vorschlag aufgeführt.

 

Digitale Angebote über QR-Codes
Der QR-Code auf jeder Fibel-Doppelseite öffnet direkt den Zugang zu den digitalen Angeboten. Die Inhalte können plattformübergreifend in jedem Browser aufgerufen werden. Es werden keine personenbezogenen Daten erhoben. Steht kein QR-Code-Scanner zur Verfügung, kann die Plattform über einen Direktlink aufgerufen werden. (Dies ist der für die Einreichung gültige Direktlink: https://mbverlag.de/1407-90_120. ) Auf diese Weise werden die Übungsformen und wichtige Informationen überall leicht zugänglich Kindern, Unterrichtenden und Eltern zur Verfügung gestellt:

  • Lesetraining „mitlesen + vorlesen“: Alle Silben, Wort-Bild-Sätze und Texte können silbiert mitgelesen werden: Jedes Kind kann in seinem Tempo die Silben nacheinander anzeigen lassen, mit und ohne Ton. Das Kind kann sich die Seite teilweise auch normal vorlesen lassen.
  • Sprachförderung „hören + entdecken“: Die Kinder erkunden die Bilder der Fibel-Doppelseiten und können sich wichtige Begriffe sowie jeweils einen weiterführenden Text zum Thema der Fibelseite anhören. Ein Klick auf markierte Bereiche öffnet ein Pop-up-Fenster. Der entsprechende Begriff wird vorgelesen und kann als Text eingeblendet werden (Differenzierung). Die Kinder entdecken auf diese Weise die Fibelseiten und erweitern ihren Wortschatz.
  • Erklärvideos „verstehen + vertiefen“: Die Gebärden werden vorgestellt. Es werden die Übungsformate wie Silbenlauf oder Silbenkellen eingeführt. Rechtschreibregeln, Zeichensetzung oder Satzbau, welche die Kinder im Unterricht entdecken konnten, werden ausführlich erklärt.
  • Für Lehrkräfte und Eltern: Eine detaillierte Aufschlüsselung der Lerninhalte und Übungsformen kann aufgerufen werden.

 

Beilagen

Der Silbenfibel ist ein Lernstandsheft, ein Lesepass und eine Schreibtabelle beigelegt. Auf der Rückseite der Schreibtabelle befinden sich Hinweise zur Verwendung der Schreibtabelle beim Lesen und Schreiben, eine Anleitung zum „richtigen“ Abschreiben, eine Übersicht der Gebärden und einer Einführung in die Silbenhäuser.

Lernstandsheft, Lesepass und Schreibtabelle können einzeln nachgekauft werden.

 

Sprechsilben und Worttrennungen

Vokale als Sprechsilben sind farblich markiert (z. B. Eva, Ofen, Radio).

Weitere Informationen zur Silbenmethode auf:

www.abc-der-tiere.de

Kompakt – Ausgabe

Förderausgabe

Neben der Standard-Ausgabe von ABC der Tiere gibt es ergänzend eine Förderausgabe: die Silbenfibel Kompakt für Klasse 1 bzw. das Lesebuch und das Spracharbeitsheft Kompakt für Klasse 2 (i. Vorb.). Für Klasse 3 und 4 liegen die Schülermaterialien in einer silbierten Form vor.

ABC der Tiere 1 Kompakt – Förderausgabe besteht im Wesentlichen aus:

  • Die Silbenfibel® Kompakt
  • Lehrerhandbuch zur Silbenfibel® Kompakt
  • Arbeitsheft zur Silbenfibel® Kompakt
  • Schreiblehrgang Druckschrift Kompakt

Die Silbenfibel ist das Leitmedium.

Arbeitsheft Kompakt, Schreiblehrgang Kompakt und alle anderen Materialien sind auf die Silbenfibel Kompakt abgestimmt.

Diese Grundausstattung der Materialien ist für die erfolgreiche methodische Umsetzung im Unterricht von zentraler Bedeutung. Das umfangreiche Materialangebot insgesamt ermöglicht die differenzierte Förderung und Forderung von Schülerinnen und Schülern aus dem gesamten Leistungsspektrum.

Differenzierung

Vielfältige aufeinander abgestimmte Materialien ermöglichen eine echte Differenzierung. Die Schülermaterialien für Klasse 1 liegen in einer Standard-Ausgabe und einer Kompakt-Ausgabe  vor. Passend dazu sind die Arbeitsblätter zur individuellen Förderung und Differenzierung. Zusätzlich ermöglicht die Lesebox eine punktuelle oder längerfristige intensive Förderung.

Individualisierung

Wiederkehrende abwechslungsreiche und motivierende Aufgaben ermöglichen den Kindern ein selbstständiges Arbeiten. Freiarbeit und ein jahrgangsübergreifender Unterricht sind somit möglich. Mit dem Lernstandsheft (Silbenfibel und Silbenfibel Kompakt) können die Kinder im Austausch mit der Lehrerin und dem Lehrer ihren Lernweg dokumentieren und gestalten.

Die Silbenfibel Kompakt bietet durchgängig differenzierte Lernangebote und selbstdifferenziernde Aufgabenstellungen. Jedes Kind kann auf seinem Lernstand fördernde und fordernde Herausforderungen finden – und diese auch erfolgreich meistern. Nicht alle Kinder müssen alle Aufgaben bearbeiten.

Inklusion

Die Abstimmung von Standard- Ausgabe, Kompakt-Ausgabe, „Arbeitsblättern zur individuellen Förderung und Differenzierung“ und Lesebox mit den umfangreichen Differenzierungsangeboten ermöglicht in Klasse 1 ein gemeinsames Arbeiten und Lernen auf unterschiedlichen Niveaustufen.

Für den intensiven Förderbedarf kann die Lesebox auch über mehrere Schuljahre verwendet werden.

Deutsch als Zweitsprache

Für Kinder ohne jede Deutschkenntnisse empfehlen sich die Materialien der Reihe „Willkommen in Deutschland“, die durchgängig mit dem farbigen Silbentrenner ausgestattet sind. Aufbauend darauf ermöglichen die differenzierten Angebote (Standard- Ausgabe, Kompakt-Ausgabe, „Arbeitsblättern zur individuellen Förderung und Differenzierung“ und Lesebox) auch für Kinder mit Deutsch als Zweitsprache einen optimalen Zugang zur deutschen Schrift.

Bayern – Ausgabe

Zur Methode allgemein

Kinder verfügen zunächst über schriftsprachunabhängige Fähigkeiten zur phonologischen Bewusstheit (Silbenklatschen/Reime/Lieder), die sich auf die späteren Schriftsprachfähigkeiten auswirken (Voraussetzungshypothese).
Mittels früher Schriftsprachkenntnisse (erste Buchstabenkenntnisse) und der damit verbundenen Einsicht in das alphabetische Prinzip erwerben sie offensichtlich weitere Fähigkeiten zur phonologischen Bewusstheit (Konsequenzhypothese), die sich wiederum auf die Schriftfähigkeit auswirken.
Angesichts unserer Erfahrung und vieler vorliegender Ergebnisse mit Vorschulkindern und Schulanfängern (für einen Überblick vgl. Schneider 1999, Marx et al. 2005) müssen beide Hypothesen sinnvoll zusammengeführt werden.

Fähigkeiten auf der Silben- und Onset-Reimebene garantieren nicht allein einen erfolgreichen Schriftspracherwerb. Ebenso wenig kann man jedoch davon ausgehen, dass alle Kinder die explizite phonologische Bewusstheit auf der Phonemebene allein durch die aktive Auseinandersetzung mit der Schriftsprache (Reichen, Spracherfahrungsansatz) erwerben. Beide Fähigkeiten entwickeln sich offensichtlich interaktiv.
Der Lehrgang ist deshalb der Interaktionshypothese zur Entwicklung und Förderung der phonologischen Bewusstheit im engeren Sinne verpflichtet.

Um allen Schülern einen erfolgreichen Lesestart zu ermöglichen, werden zu Beginn Aufgaben auf dem Niveau der erweiterten phonologischen Bewusstheit (explizite Wahrnehmung der Silben) bearbeitet: KonsonantVokal-Verbindungen werden als „Ganzheiten“, ausgehend von Schlüsselwörtern, automatisiert. Unmittelbar im
Anschluss werden die Vokale ausgegliedert (Silbenanalytische Methode). Konsonanten werden zunächst implizit wahrgenommen („ma“ wird von „la“ unterschieden). Die Positionen innerhalb der Silbe z.B. Del – fin werden mit „Starter: D“ – „Klinger: e“ – „Stopper: l“ bezeichnet und mit den entsprechenden Gebärden angezeigt.
Die durchgängigen Schreibübungen mit den „Häuschen“ verdeutlichen die phonologische Struktur der geerbten deutschen Wörter. Die Schüler werden mit den Regularien des deutschen Schriftsystems vertraut.

Die Verschriftung phonetischer Effekte („osdaeija“ für „Ostereier“) zu Lasten einer orthografischen Schreibweise wird vermieden.
Die Fähigkeit zur expliziten phonetischen Ausgliederung der Laute entwickelt sich in der Auseinandersetzung mit der Schrift und kann nicht als Voraussetzung von allen Kindern gefordert werden. Unter dem Dach des silbenanalytischen Ansatzes wird schreiborientiertes Arbeiten in Syntheseübungen angebahnt (Schreiben mit der Lauttabelle).

Die Silbe als zentrale Organisationsebene der deutschen Schrift bildet das Fundament beim Lesen und Schreiben. (Siehe auch: „Schriftsystem und Schrifterwerb“ Ursula Bredel, Astrid Müller, Gabriele Hinney ((Hgg.)) bei De Gruyter RGL 289)

Zur Konzeption der Fibel

Die Fibel bietet einen leseorientierten Ansatz zum Schriftspracherwerb.
Die Silben werden durch den farbigen Silbentrenner ausgegliedert.

Zur Konzeption der Texte und ihrer Inhalte:

Die Arbeitsweise mit den Doppelseiten der Fibel wird zu Beginn am Beispiel der Seite 18/19 erläutert. Die Formate „Spielen und schreiben mit Lauten und Silben“ werden vorgestellt und auf der Einbandinnenseite erläutert.

  • Die Illustration ist Anlass zu einem Klassengespräch. Was ist zu entdecken
  • Anfangs werden Schlüsselwörter (Mimi, Momo, Mama, Memo) und semantische Inhalte in Wort-Bild-Kombinationen und stetig komplexer werdende Texte angeboten.
  • Die Spiel- und Übungsformate „Silbenkelle“, „Silben fliegen hoch“ und „Silbenlauf“ im unteren Methodenfeld unterstützen anfänglich leistungsschwächere Schüler durch die Koordination von Bewegung und Silbensprechen.
  • Das Übungsformat „Mit der Lauttabelle lautgetreue Wörter schreiben“ bietet den Kindern zunächst Wörter wie „Limo, Tomate, Melone“ an. Diese Wörter sind im strengeren Sinn lautgetreu (was für geerbte deutsche Wörter aufgrund des „schwa“ in der Reduktionssilbe nicht gilt). Die ersten Beispiele werden auf den vorhergehenden Seiten spielerisch in „Silben fliegen hoch“ silbiert und entsprechende Silben phonetisch ausgegliedert. In „Limo, Tomate, Melone, Salami“ ist jeweils nur ein neuer Konsonant mithilfe der Lauttabelle zu gewinnen, was auch leistungsschwächeren Schülern gelingt und ihre Motivation verstärkt.
  • In den Aufgaben „Hefteintrag/Lerntagebuch“ werden Abschreibübungen und Fragen zum Text angeboten. Leistungsschwächere Schülerinnen und Schüler schreiben zutreffende Passagen aus dem Fibeltext ab. Leistungsstärkere Schülerinnen und Schüler formulieren die Antworten mithilfe der Lauttabelle freier, jeweils auf ihrem individuellen Leistungsniveau.
  • Die Aufgaben „Zauberwörter“, „Reimwörter“, „Was alle tun“ usw. können – über die durch unterstützende Illustrationen angedeuteten Lösungen hinausgehend – individuell bearbeitet werden.
  • Das Häuschenschreiben (Haus = prominente Silbe mit Garage = Reduktionssilbe) macht die Schülerinnen und Schüler mit der systematischen Schreibung der prototypischen deutschen Wörter vertraut.
    Die im Lehrplan genannten Phänomene, wie die Betonung der ersten Silbe, die ie-Schreibung, die Doppelkonsonanten, die Schreibung von „tz“ und „ck“, die Schreibung aller Nomen, Verben und Adjektive auf -er, -el und -en werden in „ABC der Tiere“ systematisch in den Häuschen A, B und C dargestellt. Die Verschriftung des „schwa“ in der Reduktionssilbe erfolgt immer mit „e“.
  • Die längeren Texte (Seite 86 ff.) können von fortgeschrittenen Schülern oder vom Lehrer vorgelesen werden. Leistungsstarke Schülerinnen und Schüler werden durch die „langen“ Texte herausgefordert, ihre individuelle Lesefähigkeit selbstständig weiter zu entwickeln. Die Fragen zu den Texten werden im Klassengespräch erörtert oder von Schülerinnen und Schülern individuell in freier Arbeit schriftlich beantwortet.
  • Gedichte empfehlen sich zum Auswendiglernen und zum Vortrag, auch in Verbindung mit darstellendem Spiel, z.B. „Herbstgedicht“. Die bayerische Mundart wird berücksichtigt.
  • Durch die sich wiederholenden Aufgabenformate und die verständliche Darstellung und Formulierung der Aufgaben ist die Fibel für das Arbeiten nach Wochenplan geeignet.
  • Die Hörproben zu den Seiten 48/49, 56/57, 86/87, 108 ermöglichen die Auseinandersetzung mit gesprochener Sprache.

Zur Konzeption des Arbeitsheftes zur Fibel

Das Arbeitsheft 1 entspricht in allen Punkten den Kriterien, die für die Fibel gelten. Alle Übungen beziehen sich auf eine konkrete Fibel-Seite.

  • Es bietet verschiedene und abwechslungsreiche Übungsformen an, um das flüssige Lesen (z.B. Silbenteppiche und gereimte Tiergedichte) zu fördern.
  • Es werden vielfältige und abwechslungsreiche Schreibaufgaben angeboten.

Teil A:

Schreiben nach Gebärden ab S. 6,
Schreiben mit dem Silbenschieber ab S. 7,
Schreiben der Schlüsselwörter ab S. 10,
Syntheseübungen ab S. 13,
Schreibung von Kombinationen aus Silben und Silbenbögen ab S. 21,
Sätze mithilfe der Illustration sinnvoll ergänzen oder Fragen mit eigenen Sätzen beantworten ab S. 35,
Häuschenschreibweise erfassen und Regelmäßigkeiten der prototypischen Wörter erkennen und beim
Schreiben anwenden ab S. 51,
Wortautomat einstellen und dreisilbige Lehnwörter schreiben ab S. 57,
Zauberwörter schreiben ab S. 59,
Bild ergänzen und mit eigenen Sätzen beschreiben ab S. 65,
Rätsel lösen und Wörter schreiben ab S. 72,
Fibeltext mithilfe von Pool-Wörtern oder frei nacherzählen und schreiben ab S. 78

Teil B:

Rätsel lösen und Lückentexte ergänzen ab S. 15,
Kreuzwörter lösen durch korrektes Schreiben ab S. 23,
Pluralbildung und Verkleinerungsformen durch Ableiten korrekt schreiben ab S. 33,
„Sparschreibweise“ St/st, Sp/sp anwenden ab S. 36,
Wörter mit „ai“ kennen und schreiben ab S. 45,
„ng“/„nk“ unterscheiden und schreiben ab S. 49,
V-Wörter kennenlernen und nach phonetischer Differenzierung (Höre ich F oder W?) schreiben ab S. 59,
Y-Wörter kennenlernen und nach phonetischer Differenzierung (Höre ich i oder ü oder j?) schreiben ab S. 71
Der Grundwortschatz wird berücksichtigt und erweitert.
Verschiedene Sozialformen werden angeboten.

Zur Konzeption des Schreiblehrganges Druckschrift

Der Schreiblehrgang Druckschrift entspricht in allen Punkten den Kriterien, die für die Fibel gelten. Alle Übungen beziehen sich auf bestimmte Fibel-Seiten.

  • Die graphomotorischen Fertigkeiten werden in Vorübungen (gerade Strichführung, Arkaden, Girlanden, Links- und Rechtskreise und Schleifen) entwickelt. Einzelne Übungen können in den ersten Wochen immer als „Aufwärmritual“ in den Unterricht einbezogen werden.
  • Elemente des neuen Buchstabens werden in einer Kopfzeile vorbereitet. Hilfen zum Bewegungsablauf werden durch Startpunkte und Richtungspfeile gegeben.
  • Die Lineaturen werden in zwei Größen angeboten und entsprechen den Empfehlungen des Lehrplans.
  • Für Linkshänder werden zusätzliche Hilfen angeboten.
  • Das Aufgabenniveau ist so angelegt, dass alle Kinder mit dem Schreiblehrgang erfolgreich arbeiten können.
  • Selbstdifferenzierende Aufgabenstellungen wie „Simsalabim, du hast drei Wünsche frei“ (Teil B S. 40) oder „Was hast du geträumt?“ (Teil B S. 52) ermöglichen die Bearbeitung auf dem individuellen Leistungsniveau.
  • Anregungen zur ästhetischen Gestaltung z.B. „Schreibe ein Winterelfchen“ (Teil B S. 4) oder „Gestalte ein Schmuckblatt“ (Teil A und B S. 65) werden gegeben.
  • Die Illustration der Einführungsseite zu den einzelnen Buchstaben mit großen Nachspurbuchstaben, einem Gebärdenkind und dem Tier der Lauttabelle sichert durch die Gebärde (motorisch und artikulatorisch) und das Tier (visuell und phonetisch analytisch) die Graphem-Phonem-Relation.

Kostenloses Prospekt

Katalog: LehrplanPLUS Bayern

nach oben