Silbenmethode

Historische Vorbilder und didaktische Vordenker der Silbenmethode

„Wir wollten so unterrichten, dass kein Kind eine Lese-Rechtschreib-Störung entwickelt.“

So lautete bereits in den 1990er Jahren das Motto von Klaus Kuhn und seinen Kollegen. Das Ergebnis: Die Silbenmethode mit Silbentrenner®, die es mittlerweile immer mehr Kindern aller Leistungsniveaus ermöglicht, sich zu flüssigen Lesern und guten Schreibern zu entwickeln.

Klaus Kuhn lässt in dem Video seinen Weg zur Silbenmethode Revue passieren und nennt die wichtigsten Theoretiker, die zur Formulierung der Silbenmethode beigetragen haben.

Quergelesen

In der deutschen Geschichte gab es immer wieder Beispiele für den Einsatz und Erfolg von silbierten Fibeln. Für die Silbenmethode sind die Vorleistungen von Buschmann, Röber und Maas besonders relevant.

Was waren die historischen Vorbilder der Silbenmethode?

Schon Valentin Ickelsamer hat um 1525 in seinem Lehrbuch zur deutschen Sprache „Die rechte weis auffs kürzist lesen zu lernen …“ die Silben als Wortbausteine benannt und mit dem Silbentrenner gearbeitet.

Seit Beginn des 19. Jahrhunderts wurde der obligate Silbentrenner in Fibeln aller europäischen Länder angewandt. Mit einer solchen Fibel hatte der Herausgeber Klaus Kuhn als Kind lesen gelernt.

Wenn man sich die drei folgenden Ausschnitten aus Lesebüchern anschaut, ist auffällig, dass alle drei mit Silbentrenner ausgestattet sind:

Kinderfibel, Verlag Konkordia AG, Bühl / Baden, 1941

Jede Trennstelle wird in der verbundenen Schreibschrift durch eine Unterbrechung des Schriftzuges markiert.

Quelle: Kinderfibel, Verlag Konkordia AG, Bühl / Baden, 1941

Ein weiteres Beispiel für die Sichtbarmachung der Silbengrenzen.

Quelle: „Wir lernen Lesen / Eine Fibel für Stadt und Land“, Herder Verlag,
Freiburg, 1951

Kinderfibel des Kantons Basel-Stadt im franz. Besatzungsgebiet Deutschlands, Lehrmittelverlag Offenburg-Mainz, 1946

Auch hier wird jede Trennstelle in der verbundenen Schreibschrift durch eine Unterbrechung des Schriftzuges, in der Druckschrift durch einen vergrößerten Abstand markiert.

Quelle: Kinderfibel des Kantons Basel-Stadt im franz. Besatzungsgebiet Deutschlands, Lehrmittelverlag Offenburg-Mainz, 1946

In der Mitte der 1950er Jahre verbreiteten sich in Deutschland immer weiter Fibeln, die nach der sogenannten Ganzheitsmethode konzipiert waren. Diese wurde seit den 1920er Jahren propagiert. Die Ganzheitsmethode, auch Ganzwortmethode genannt, versucht mittels ganzer Wörter (z. B. Oma) das Lesen zu vermitteln. Es gilt, sich das Wortbild einzuprägen. In einem weiteren Schritt werden Worte verglichen (zum Beispiel oMa und oPa), wodurch Buchstaben – sozusagen Teile von Wörtern – gelernt werden.

Was genau die Ursachen für die völlige Verdrängung der silbierten Vorgänger-Varianten waren, lässt sich kaum noch feststellen.

Welche Pädagogen und Didaktiker waren Vor- und Mitdenker der Methode?

Ein Lehrwerk wie ABC der Tiere, das auf einer ganz eigenen Methode beruht, wurde nicht von einem einzelnen Kopf erdacht und entstand auch nicht im luftleeren Raum.

Neben den ABC-der-Tiere-Autoren der ersten (und zweiten) Stunde – Klaus Kuhn, Rosmarie Handt, Katrin Herter, Kerstin Mrowka-Nienstedt –  gab es historische Vorläufer, wissenschaftliche Pädagogen und Didaktiker, die direkt oder indirekt Beiträge geleistet haben, dass die Silbenmethode entstehen konnte.

Heide Buschmann:

damals Leiterin der Bildungsberatungsstelle Waldshut-Tiengen; erzielte in der Förderung lese- und schreibschwacher Schüler außergewöhnlich gute Ergebnisse und unterrichtete mit der Silbenmethode. Später entwickelte sie daraus FRESCH.

Utz Maas:

deutscher Sprachwissenschaftler; zu seiner Zeit an der Universität Osnabrück. Prägendes Werk für Klaus Kuhn und die Silbenmethode: „Materialien zu einem erklärenden Handbuch zur Rechtschreibung des Deutschen“.
Von ihm stammt auch der banal erscheinende, für die Rechtschreibung aber bedeutsame Satz: „Die geerbten deutschen Wörter sind zweisilbig trochäisch.“

Christa Röber:

deutsche Erziehungswissenschaftlerin und Sprachdidaktikerin. Sie war Professorin für Grundschulpädagogik an der PH Freiburg. 1998/99 besuchte Klaus Kuhn ihre Veranstaltung „Linguistisch fundierte Didaktik des Schriftspracherwerbs“ an der PH. Sie ist Vertreterin der analytischen Silbenmethode.

Weiterführende Literatur

Tatsächlich waren es natürlich noch viel mehr Einflüsse, Vor- und Mitdenker, deren Arbeit in die Silbenmethode eingeflossen ist. Die Auswahl ist zum großen Teil auf die beschränkte Zeit im Video zurückzuführen.

Wer weiterlesen möchte, findet nachfolgend weiterführende Literatur.

Bosch, Bernhard (1937): Grundlagen des Erstleseunterrichts. (Wiederabgedruckt in: Giese, Heinz W. (Hg.) (2003): Lesen lernen. Diskussionsbeiträge aus 50 Jahren. Bernhard Bosch zum 100. Geburtstag. – Duisburg: Gilles & Francke.)

Bredel, Ursula (2010): Silbenbasierte Lesespiele. In: Die Silbe im Anfangsunterricht Deutsch. Offenburg: Mildenberger Verlag, S. 41 – 52.

Bredel, Ursula / Müller, Astrid / Hinney, Gabriele (2010): Schriftsystem und Schrifterwerb: linguistisch – didaktisch – empirisch de Gruyter

Bredel, Ursula / Fuhrhop, Nanna / Noack, Christina (2017): Wie Kinder lesen und schreiben lernen. Tübingen.

Dummer-Smoch, Lisa (2010): Erfolgskontrollen zum Leselernerfolg mit Lautgebärden. In: Die Silbe im Anfangsunterricht Deutsch. Offenburg: Mildenberger
Verlag, S. 53 – 72.

Grümmer, Christiane / Welling, Alfons (2002): Die Silbe und ihre Bedeutung für das Schriftsprachlernen – ein Bericht über angloamerikanische Forschungen. In: Tophinke, Doris / Röber-Siekmeyer, Christa (Hg.): Schärfungsschreibung im Fokus. Baltmannsweiler: Schneider Hohengehren, S. 15 – 54.

Günther, Hartmut (1998): Phonographisches Lesen als Kernproblem der Dyslexie.In: Weingarten, Rüdiger / Günther, Hartmut (Hg.): Schriftspracherwerb. Baltmannsweiler: Schneider Hohengehren, S. 98 – 115.

Ickelsamer, Valentin (1527): Die rechte weis auffs kürtzist lesen zu lernen. In: Fechner (Hg.): Vier seltene Schriften des 16. Jahrhunderts (Wiederabdruck Hildesheim: Olms 1972).

Liberman, Isabelle Y. / Shankweiler, Donald / Fischer, F. William / Carter, Bonnie (1974). Explicit syllable and phoneme segmentation in the young child. In: Journal of Experimental Child Psychology 18 (2), S. 201 – 212.

Klicpera, Ruth (2010): Rhythmik – Zusammenhänge zur Silbenmethode im Lese- und Schreibunterricht. In: Die Silbe im Anfangsunterricht Deutsch. Offenburg: Mildenberger Verlag, S. 73 – 85.

Kohler, Klaus-Jürgen (1995): Einführung in die Phonetik des Deutschen. Berlin: Erich Schmidt.

Kuhn, Klaus (2010): Die Silbentrennung als Lesehilfe in deutschen Fibeln. In: Die Silbe im Anfangsunterricht Deutsch. Offenburg: Mildenberger Verlag, S. 17 – 40.

Maas, Utz (2000): Orthographie. Materialien zu einem erklärenden Handbuch des Deutschen. Osnabrück

Meumann, Ernst (1982): Psychologie des Lesens und der Rechtschreibung. Hg. v. Eckart Scheerer. Bochum: Kamp.

Noack, Christina (2008): Wenn der Hont auf dem Faarat Kuren holt: Junge Sprachexperten auf dem Weg zur Schrift. In: Denkler, Markus u. a. (Hg.): Frischwärts und unkaputtbar. Sprachverfall oder Sprachwandel im Deutschen. Münster: Aschendorff 2008, S. 203 – 220.

Noack, Christina (2010): Orthographie als Leserinstruktion: Die Leistung schriftsprachlicher Strukturen für den Dekodierprozess. In: Bredel, Ursula / Hinney, Gabriele / Müller, Astrid (Hg.), Schriftkompetenz und Schriftsystem: linguistisch, empirisch, didaktisch. Tübingen: Niemeyer, S. 151 – 170.

Noack, Christina (2010): Vom Nutzen der Silbe für den Schriftspracherwerb. In: Die Silbe im Anfangsunterricht Deutsch. Offenburg: Mildenberger Verlag, S. 5 – 16.

Röber, Christa (2009): Die Leistungen der Kinder beim Lesen- und Schreibenlernen. Grundlagen der Silbenanalytischen Methode. Baltmannsweiler: Schneider Hohengehren.

Röber-Siekmeyer, Christa / Pfisterer, Katja (1998): Silbenorientiertes Arbeiten mit einem leseschwachen Zweitklässler. In: Weingarten, Rüdiger / Günther, Hartmut (Hg.): Schriftspracherwerb. Baltmannsweiler: Schneider Hohengehren, S. 36 – 61.

Sendlmeier, Walter / Oertel, Alexandra (2015): Rechtschreibdidaktik im ersten Schuljahr. Eine psychologische und sprachwissenschaftliche Einordnung und Bewertung. Berlin.

Schneider, Wolfgang (2017): Lesen und schreiben lernen. Wie erobern Kinder die Schriftsprache? Berlin.

Winkler, Karin (2004): Die Systematik einer silbenanalytischen Darstellung der Schrift im Anfangsunterricht – Ein Praxisbericht. In: Bredel, Ursula / Siebert-Ott, Gesa / Thelen, Tobias (Hg.): Schriftspracherwerb und Orthographie. Baltmannsweiler, S. 22 – 30.

  • 1. Schuljahr
  • ABC der Tiere
  • Schüler & Eltern
ABC der Tiere 1

Die Silbenfibel®

Leselehrgang, Druckschrift

In der Silbenfibel werden die Silben als Ganzheit eingeführt. Das erleichtert allen Kindern das Lesen- und das orthografisch korrekte Schreibenlernen.

Bestell-Nr.: 1405-90 ISBN: 978-3-619-14509-6
  • 1. - 2. Schuljahr
  • ABC der Tiere
  • Lehrer

Die Silbe im Anfangsunterricht Deutsch

Festschrift zum zehnjährigen Jubiläum des Lehrgangs ABC der Tiere – Silbenmethode mit Silbentrenner®

Zum zehnjährigen Jubiläum des Lehrgangs ABC der Tiere erscheint eine Festschrift. Insgesamt sechs Autoren, die sich wissenschaftlich mit der Lese- und Schreibdidaktik oder der Linguistik beschäftigen, haben einen Beitrag verfasst....

Bestell-Nr.: 1402-65 ISBN: 978-3-619-14265-1
nach oben