Silbenmethode

Vorläuferleistungen: Motorik, Koordination, Seitigkeit von Hand und Auge

Eindeutige Seitigkeit, sichere Händigkeit und eine gute Koordination von Bewegung und Sprache sind der Schlüssel für flüssiges Lesen und Schreiben aller Kinder.

Was hat Bewegung mit Lesen und Schreiben zu tun?

Bevor ein Schüler beginnen kann, Lesen und Schreiben zu lernen, müssen bestimmte Fähigkeiten vorhanden sein. Wir nennen diese Fähigkeiten Vorläuferleistungen. Sie sind das grundlegende Werkzeug, das jedem hilft, Lesen und Schreiben zu lernen.

Weist ein Kind Mängel bei diesen Vorläuferleistungen auf, sind das erste Anzeichen, dass das Kind mehr Hilfestellungen benötigt und ein etwaiger Kandidat für Förderunterricht ist.

Diese Mängel sind aber mit Übungen und fokussiertem Training in fast allen Fällen behebbar.

Was sind die Vorläuferleistungen?

Bei den Vorläuferleistungen geht es um körperliche Fähig- und Fertigkeiten, die beim Erwerb von geistigen Fähig- und Fertigkeiten, wie etwa dem Schreibenlernen, die Grundlagen bilden.

Quergelesen

Eindeutige Seitigkeit, sichere Händigkeit und gute Koordination sind elementar für flüssiges Lesen und Schreiben. Fehlen die Vorläuferleistungen Motorik, Koordination und Seitigkeit von Hand und Fuß, wird das Kind aller Wahrscheinlichkeit nach Schwierigkeiten beim Lesen- und Schreibenlernen haben. Es gibt aber einfache Überprüfungsmöglichkeiten und Fördermaterial, um dieses Defizit auszugleichen.

Motorik

Grundlegend für das Lesen- und Schreibenlernen ist eine sichere Beherrschung des eigenen Körpers. Viele Kinder können nicht auf einem Bein stehen oder sind nicht in der Lage, den Pinzettengriff mit Daumen und Zeigefinger auszuführen. Der ist aber eine wichtige Voraussetzung für eine sichere Schreibhaltung.

Koordination

Die Koordination, also das synchrone Ausführen von Bewegungen mit dem Sprechen von Silben, ist von großer Bedeutung. Ein Kind, das mit sechs Jahren Abzählreime in Silben sprechen und synchron mit der Hand deuten kann, wird keine Schwierigkeiten im Anfangsunterricht haben. Auf den Punkt gebracht: „Schwache Leser und Schreiber sind asynchron.“ Sie können also nicht gleichzeitig einen Abzählreim sprechen und mit der Hand deuten. Asynchron bedeutet also, dass die Sinnesleistungen Sehen und Hören mit den artikulatorischen Leistungen Sprechen und Schreiben nicht gleichzeitig abgerufen werden können. Kann ein Kind Wörter in Silben sprechen und lernt koordiniert dazu Silben in einem Zug zu schreiben, regelt sich das Schreiben fast von selbst.

Seitigkeit von Hand und Auge

Für die Lese- und Schreibrichtung von Buchstaben, Zahlen oder Noten gilt in unserer Kultur die Regel: von links nach rechts. Diese „rechtswendige“ Kultur bereitet vielen Kindern Schwierigkeiten beim Lesen- und Schreibenlernen. Dabei sind einerseits die Seitigkeit des Auges und andererseits die Seitigkeit der Hand (Händigkeit) zu beachten.

Seitigkeit

Ist ein Kind, dessen rechtes Auge dominant ist – es sieht z. B. mit dem rechten Auge durch ein Fernrohr – auch Rechtshänder, bereitet ihm die rechtswendige Kultur keine Probleme.

Ist ein Kind linksäugig dominant und/oder linkshändig, können Störungen bei der Reihung der Buchstaben von links nach rechts auftreten: „Salami“ wird zu „Salmi“, „Salmani“ usw. Nach der Erfahrung unserer Autoren wird der Förderunterricht in der ersten Klasse mehrheitlich von Kindern mit nicht geklärter Seitigkeit besucht. Jungen sind häufiger betroffen als Mädchen – der Jungenanteil liegt bei etwa 75%.

Im Unterricht beobachten wir das Verwechseln von Buchstaben „d/b, ie/ei“ oder das seitenverkehrte Schreiben von Ziffern und Zahlen „51“ statt „15“.

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass eine geklärte Seitigkeit und/oder Händigkeit in Verbindung mit guter Koordination von Bewegung und Silbensprechen der Schlüssel für flüssiges Lesen und Schreiben aller Kinder ist.

Das Wahrnehmungsfenster der meisten 6-jährigen Leseanfänger ist die Sprechsilbe und nicht der einzelne Laut/Buchstabe: Kann z. B. das Wort „Salami“ silbiert gesprochen und synchron geklatscht werden, ist ein Schreibfehler ausgeschlossen, zumal wenn die Silben beim Lesen und Schreiben im Anfangsunterricht automatisiert werden.

Welches Auge ist dominant? Wer linksäugig dominant ist, sieht in diesem Bild einen Hasen. Menschen mit rechtsäugiger Dominanz sehen eine Ente.

Wann sollten die Vorläuferleistungen getestet werden?

Da sich die Hinweise auch schon im Kindergarten beobachten lassen, bietet es sich an, die Kinder in ihrem letzten Kindergartenjahr zu begleiten und ggf. zu fördern.

Darüber hinaus bietet  Fit für den Schulbeginn Übungsmaterial, mit dem die Vorläuferleistungen eingeschätzt und gefördert werden können. Diese sollten spätestens in der Schuleingangsphase zum Einsatz kommen.

Wie werden die Vorläuferleistungen getestet?

Die Überprüfung kann in einer Kleingruppe erfolgen: Die prüfende Person wird von einem Protokollanten unterstützt und arbeitet mit bis zu vier Kindern.

Verschiedene Übungen wie z. B. synchrones Ballwerfen und Sprechen, gemeinsames Sprechen von Abzählversen und Silbenklatschen werden durchgeführt und erlauben eine Einschätzung zum Stand der Vorläuferleistungen.

Eine genauere Beschreibung des Ablaufs und der Übungen findet sich zum einen in dem Video Einführungslehrgang Teil 2 (siehe nachfolgendes Video) und zum anderen in dem Werk Fit für den Schulbeginn.

Schwache Ergebnisse – was nun?

Zu allen Bereichen der Vorläuferleistungen gibt es einfache Übungen, die die Defizite beheben können.

Bei mangelnder Motorik kann Kindern mit Seilspringen, Einradfahren und Jonglieren geholfen werden.

Bei Problemen mit der Seitigkeit hilft oft schon ein Stofftier auf dem Schreibtisch: „Hier, auf dieser Seite, ist der Anfang.“ In dem Heft „Fit für den Schulbeginn“ gibt es weiteres Übungsmaterial zum Erkennen der Seitenlage, wie z. B. dieses Arbeitsblatt:

Aber auch zu allen anderen Vorläuferleistungen finden sich Übungsmaterialien.

  • 1. Schuljahr
  • ABC der Tiere
  • Lehrer & Eltern

Fit für den Schulbeginn

Übungsmaterial inkl. Schuleingangstest

Das vorliegen Übungsmaterial trainiert die Vorläuferleistungen für das Lesen, Schreiben und Rechnen. Es wurde im Rahmen des Projekts „Schulanfang auf neuen Wegen“ am Kooperativen Bildungszentrum Seelbach entwickelt. Es kann sowohl...

Bestell-Nr.: 1402-78 ISBN: 978-3-619-14278-1

Die Arbeit mit den Silbenbärchen hilft

Silbenbärchen, die Teil des Schuleingangstests in „Fit für den Schulbeginn“ sind, eignen sich ideal zur Diagnose und Förderung.

Die Silbenbärchen können aus Pappe oder Holz hergestellt werden. Wichtig: Die Bedruckung ist einseitig und die Silbenbärchen gehen immer von links nach rechts.

Zu einem mehrsilbigen Wort, z. B. „Kindergarten“, soll das Kind die Silbenbärchen aufstellen, dann das Wort wiederholen und mit der Malhand synchron auf die Silbenbärchen zeigen.

Eine Förderung mit den Silbenbärchen kann wie folgt aussehen:

  • Seitigkeit: Die Silbenbärchen gehen immer von links nach rechts.
  • Wahrnehmung der Sprechsilbe: Für jede Silbe wird ein Bärchen aufgestellt.
  • Koordination: Das Sprechen der Wörter und Zeigen auf die Silbenbärchen ist synchron.

Förderung mit Musik und Rhythmus hilft

Klaus Kuhn, Autor des Lehrgangs „ABC der Tiere“, ist als Musik- und Deutschlehrer schon sehr früh der Zusammenhang zwischen Rhythmus und Sprachgedächtnis aufgefallen. Kinder, die im Musikunterricht keinen Takt halten oder keinen Rhythmus klatschen können, haben beim Schreiben häufig mehr Schwierigkeiten als andere Kinder.

Mittlerweile gibt es Untersuchungen, die nachweisen, dass schwache Rhythmusdifferenzierung mit einem schwachen Sprachgedächtnis einhergeht.

Gezielte Übungen zur Förderung der Koordination sind fest in den Lehrgang „ABC der Tiere“ integriert.

nach oben