Silbenmethode

Vom Wortrhythmus zur Rechtschreibung

Was ist mit Rhythmus gemeint?

„Deutsche geerbte Wörter sind zweisilbig und auf der ersten Silbe betont.“

Deutsche Wörter können zwei verschiedene Rhythmen haben:

  • einen „langsameren“ und
  • einen „schnelleren“.

Dieser Rhythmus ist bei einigen Wörtern sogar die einzige Möglichkeit, die Bedeutung zu unterscheiden. So haben beispielsweise die beiden Wörter „Hüte“ und „Hütte“ das gleiche Lautrepertoire (h, ü, t, e). Aber erst der Rhythmus macht klar:

= Hüte = „langsamer“ Rhythmus

= Hütte = „schneller“ Rhythmus

Geschlossene Silben werden „schneller“ gesprochen

Die offene Silbe zeigt den „langsamen“ Rhythmus an. Der Vokal, der Klinger, ist gedehnt: Hü-te. Das Wort bleibt immer noch verständlich, z. B. „Hüte – Hüüüte“ oder „lesen – leeesen“.

Die geschlossene Silbe zeigt den „schnellen“ Rhythmus an. Der Stopper stoppt den Vokal (= Klinger): Hüt-te. Würde der Vokal gedehnt, könnte der Sinn nicht mehr verstanden werden, z. B. „Hütte – Hüüütte“ oder „Silbe – Siiilbe“.

Entscheidend ist also, dass geschlossene Silben „schneller“ gesprochen werden.

Die Regel lautet: Starter – Klinger – Stopper = kurz.

Damit wird der Wortrhythmus geklärt.

Quergelesen

Die deutsche Rechtschreibung folgt dem Rhythmus der Wörter. Mit dessen Hilfe können Rechtschreibfragen wie Doppelkonsonant oder stummes h geklärt werden. Im ABC der Tiere sprechen wir von offenen und geschlossenen Silben und betrachten die Silben unter verschiedenen Aspekten wie gespannt – ungespannt.

Die Kontrastpaare sind eine wichtige Vorübung zur sicheren Schreibung der Doppelkonsonanten

Wörter mit Doppelkonsonanten sind „schnelle“ Wörter. Um das deutlich zu machen, werden Kontrastpaare gebildet, d.h. „langsame“ und „schnelle“ Wörter werden im direkten Kontrast gegenübergestellt, z. B.:

Nase – Nüsse

„Nase“ hat eine offene erste Silbe, also keinen Stopper: Na.
„Nüsse“ hat eine geschlossene erste Silbe, also einen Stopper: Nüs.

Die deutsche Rechtschreibung folgt klaren Regeln, die einfach zu durchschauen sind, wenn man die Silbenstruktur kennt. Der Rhythmus, wie Silben – und damit Wörter – gesprochen werden, zeigt an, wie sie geschrieben werden.

Mit Kontrastwortpaaren den Wortrhythmus erleben: Hüte – Hütte; Ofen – offen; Töne – Tonne)

Vom rhythmischen Klatschen zum korrekten Schreiben: So geht’s

Im zweisilbigen deutschen Standardwort wird immer die erste Silbe betont.
In einem 4/4-Takt liegt die Betonung auf der 1. und 3. Zählzeit.
Damit trifft sie mit der natürlichen Wortbetonung zusammen.

Die Kinder lernen nun einen einfachen Rhythmus zu klatschen:

Auf 1 und 2 wird das „langsame“ Wort aufgenommen, z. B. „Nase“.1: Na 2: se
Auf 3 wird das „schnelle“ Wort aufgenommen, z. B. „Nüsse“.3: Nüsse
Die 4. Zählzeit wird mit „U“ belegt, damit das „schnelle“ Wort nicht falsch (Nü-se) silbiert wird. Dieser Fehler würde die Übung wertlos machen.4: U

Lernen mit dem ganzen Körper

Bestimmte motorische und feinmotorische Fähigkeiten sind die grundlegende Voraussetzung für das Lernen. Aber auch der Lernerfolg selbst kann durch körperliche Aktivität wesentlich gesteigert werden.

Die koordinierte Ausführung von Sprechen und gleichzeitigen Körperbewegungen, z. B. Klatschen oder Gehen, erhöht die Hirnaktivität.

Starke Hirnaktivität bei gleichzeitiger Wiederholung sorgt für eine Verfestigung der Verknüpfungen im Gehirn: Das Gelernte wird dauerhaft aufgenommen.

Sprechrhythmisches Training = Orthografie-Unterricht

Welche Silbentypen gibt es?
Was ist mit offener oder geschlossener Silbe gemeint?

Im Abschnitt Die Silbe – das Wahrnehmungsfenster der Leseanfänger wurden die Begriffe „Starter“, „Klinger“ und „Stopper“ erklärt und in Zusammenhang mit offenen und geschlossenen Silben gebracht.

Welche verschiedenen Silbentypen gibt es?

Offene Silben

z. B. „Wo“ in Woge

Die Silbe hat einen losen Anschluss (es folgt am Ende kein Konsonant) und folglich wird der Vokal gespannt gesprochen.

Was bedeutet „gespannt gesprochen“? Es ist ein Begriff aus der Linguistik. Beim Sprechen drückt das Zungenband nach unten. Es ist also gespannt.

Geschlossene Silben

z. B. „Wol“ in Wolke

Die Silbe hat einen festen Anschluss; sie endet mit einem Konsonanten. Der Vokal wird ungespannt gesprochen.

Doppelkonsonantenschreibung

z. B. „Wolle“

Ein Wort wird mit einem Doppelkonsonanten geschrieben, wenn bei einem ungespannten Vokal nur ein einzelner Konsonant zu hören ist.

Schreibung mit stummem h

Das stumme h zwischen Vokal und Endrand (gemeint ist der Konsonant am Ende einer Silbe) macht aus einem ungespannten Vokal einen gespannten.

Ein stummes h signalisiert also dem Leser: Sprich ein gespannten Vokal, obwohl die Silbe einen Endrand hat.

„Die deutsche Orthografie ist ein Zeichensystem für Leser.“

Klaus Kuhn erklärt in dem Video den Zusammenhang zwischen Silbenschnitt und orthografischer Schreibung.

Exkurs: Die verschiedenen Perspektiven auf Silben

Im ABC der Tiere geht es um die Silbe und es werden immer wieder neue Aspekte benannt, die es zu beachten gilt:

offen – geschlossen

Dieser Aspekt beschäftigt sich mit dem Wortbild.

gespannt – ungespannt

Dieser Aspekt sieht die Silbe vom linguistischen Standpunkt und beschäftigt sich mit der Aussprache.

langsam – schnell, kurz – lang, betont – unbetont

Dieser Aspekt beschäftigt sich ebenfalls mit der Aussprache, nutzt leichter verständliches, aber eher laienhaftes Vokabular: Der Vokal wird „schnell“ gesprochen, also kurz, weil der Klinger durch den Stopper gebremst wird und keinen Platz hat, sich breit zu machen.

Dieser Aspekt wird aber nur im Zusammenhang mit Kontrastpaaren, also dem direkten Vergleich der A- und C-Häuschen verwendet.

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